Unsere History

Die Gründung

Der Spielmannszug ist ein Kind des Werler Turnvereins. Nachdem sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee des Turnvater Jahn auch in Werl durchgesetzt hatte, wurde der Turnverein schnell zu einer der tragenden gesellschaftlichen Säulen der Stadt.

Als solcher Verein benötigte er natürlicherweise die entsprechende Repräsentation für seine Geselligkeiten und bei seinen Auftritten bei auswärtigen Veranstaltungen und Gauturnfesten.

Aus diesem Grund haben die Turner Kaspar Becker, der auch gleichzeitig 1. Tambourmajor wurde, Anton Holthoff und Kaspar Hüermann im Jahre 1912 den Spielmannszug ins Leben gerufen. Der genaue Gründungstag läßt sich heute leider nicht mehr feststellen. Dasselbe gilt für die Stärke und Zusammensetzung des Spielmannszuges. Sicher ist jedoch, daß der Spielmannszug seinen ersten öffentlichen Auftritt auf dem Gauturnfest 1913 in Soest hatte.


Das Vereinsleben nach dem ersten Weltkrieg

Durch den ersten Weltkrieg wurde die Arbeit des Spielmannszuges jäh unterbrochen. Der Krieg hatte tiefe Wunden in das Vereinsleben des Spielmannszuges geschlagen. So Starben die Spielkameraden Tambourmajor Kaspar Becker, Wilhelm Sonntag, Fritz Tünnemann und Eberhard Brinkmann. Nach dem Krieg formierte sich der Spielmannszug im Jahre 1919 unter Leitung seiner Gründungsmitglieder Kaspar Hüermann und Anton Holthoff neu. Tambourmajor und damit Leiter des Spielmannszuges war Kaspar Hüermann. Als Hornist half ihn insbesondere bei der Ausbildung Anton Holthoff.

Dank der aufopferungsvollen Arbeit der beiden Spielkameraden wuchs der Spielmannszug zu einem der leistungsfähigsten im Kreise Soest heran. Er war begehrter und gern gesehener Unterhalter auf vielen Festen. Zu seinen großen Mitstreitern zählten damals die Spielmannszüge der Freiwilligen Feuerwehr Soest, der Spielmannszug der "Einigkeit Westönnen" und aus dem weiteren überörtlichen Umkreis der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Belecke.
Die Friedenszeit zwischen den beiden Weltkriegen zählt wohl zu den Blütezeiten des Spielmannszuges. Das Jahr 1933 brachte mit der Machtübernahme eine jähe Unterbrechung und Gleichschaltung unter den Nationalsozialisten. In dieser Ideologie war auch kein Platz für einen Spielmannszug, der nicht den Idealen der braunen Staatsdoktrin verpflichtet war. Schon kurz nach der Machtübernahme wurden die Mitglieder des Spielmannszuges zu einer Versammlung beordert und gezwungen, nunmehr als SA-Spielmannszug zu formieren. Die Mitglieder wurden dazu unter Androhung persönlicher Konsequenzen sowie Beschlagnahmung sämtlicher Uniformen und Instrumente genötigt. Die neue Uniform stellte die SA. Grund und Anlässe des Auftretens des Spielmannszuges veränderten sich durch die gezwungene Mitgliedschaft bei der SA erheblich.
Man war nunmehr vornehmlich auf Parteiveranstaltungen tätig. Bei Beginn des Weltkrieges im Jahre 1939 wurde die Spieltätigkeit völlig eingestellt. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ abermals große Lücken im Personalbestand des Spielmannszuges.


Das Vereinsleben nach dem Zweiten Weltkrieg

Zum zweiten Male mußte praktisch neu begonnen werden. Da dem Spielmannszug der langjährige Tambourmajor Kaspar Hüermann erhalten geblieben war, konnte der Aufbau schnell und fruchtbar vorgenommen werden. Dem Tambourmajor Kaspar Hüermann stand glücklicherweise noch der schon erwähnte Anton Holthoff mit Rat und Tat zur Seite. Ebenfalls konnten einige Kameraden des ehemaligen Spielmannszuges des katholischen Gesellenvereins übernommen werden. Diese verstärkten den Spielmannszug nicht unwesentlich. Um eine ordentliche und korrekte Vereinsführung zu gewährleisten, wurden für jeden Spielmann Personalblätter angelegt sowie Mitgliedsausweise eingeführt.
Jährliche Höhepunkte für den Spielmannszug waren das von 1946 bis 1968 stattfindende "Gänsköppen", zu dem der Spielmannszug Jahr für Jahr ein gern gesehener Unterhalter war, sowie das Werler Schützenfest. Auch ohne Zugehörigkeit zu diesem Zeitpunkt zur St. Sebastianus Schützenbruderschaft wurde man jedes Jahr auf ein neues vom Vereinswirt Friedel Mönnighoff verpflichtet.

Nach dem Tode seiner Frau gab Kaspar Hüermann im Jahr 1955 den Tambourstab zunächst an seinen Sohn Wilhelm Hüermann weiter. In dieser Zeit gab es an der Spitze des Spielmannszuges zwei verschiedene Tambourmajore. Neben Wilhelm Hüermann noch Josef Holthoff, Sohn des schon erwähnten langjährigen Mitgliedes Anton Holthoff. Diese Wechsel in der Führung sind auf Unstimmigkeiten zwischen den damaligen Spielkameraden zurückzuführen.

Erst durch die erneute Übernahme von Kaspar Hüermann trat wieder Ruhe in die Spielergemeinschaft ein.

Ein Höhepunkt der Arbeit des Spielmannszuges war sicherlich die Übersendung eines Tonbandes mit der Aufnahme des Marsches "Deutschmeister" an den damaligen Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer anläßlich seines Geburtstages. Die herzlichsten Dankesgrüße blieben selbstverständlich nicht aus. Auch dieses zeigt den hohen Leistungsstand und die Anerkennung des Spielmannszuges.

Die Jahre 1958 und 1959 sind sicherlich herausragende Jahre des Spielmannszuges gewesen. Im Jahre 1958 verließ Kaspar Hüermanns langjähriger Spielkamerad und Freund, Anton Holthoff, mit seinem Sohn Josef den Spielmannszug, um zusammen bei ihren Arbeitgeber, der Firma Standard – Metallwerke GmbH Werl, einen Werksspielmannszug ins Leben zu rufen. Nach 40jähriger Tätigkeit als Tambourmajor übergab Kaspar Hüermann die Leitung Ende 1959 nunmehr Bernhard Schäfer.


Das Vereinsleben ab 1960

Im Jahre 1960 schloß sich sodann mit Vertrag vom 20.Februar der Spielmannszug der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Werl an. Der Spielmannszug war damals finanziell nicht mehr in der Lage, sich selbst zu tragen und suchte aus finanziellen und spielerischen Gründen einen starken Partner. Die "EHE" hält bis heute. Sie bietet der Bruderschaft die Möglichkeit der Repräsentation und dem Spielmannszug ein verläßliches Zuhause. Das Jahr 1960 brachte unter Leitung von Bernhard Schäfer noch ein weiteres Novum. Erstmalig in der Vereinsgeschichte wurde die Ausbildung von Jungen und Mädchen mit Erfolg begonnen.
Auch zu außergewöhnlichen Aufführungen war der Spielmannszug jederzeit in der Lage. So wußte man anläßlich des 50jährigen Bestehens im Jahre 1962 mit einem besonderen Leckerbissen aufzuwarten. Der traditionelle Zapfenstreich, welcher neben Parade und Trauermarsch auch heute zum Repertoire des Spielmannszuges gehört, wurde musikalisch durch ein Glockenspiel, gespielt von August Krebs, untermalt. Dieses Glockenspiel wurde eigens von einer holländischen Glockengießerei angefertigt.

Da sich die Geschicke des Spielmannszuges und der St. Sebastianus Schützenbruderschaft miteinander verbunden hatten, war es selbstverständlich, daß der Spielmannszug im Jahre 1962 zum Bundeskönigsschießen in Werl auch spielte. Hier wurde eine Freundschaft mit der Schützengilde aus Gerwen in Holland geknüpft. In den folgenden Jahren schlossen sich zahlreiche Besuche und Gegenbesuche an. Im Jahre 1966 wurde dem Tambourmajor ein Stellvertreter zur Seite gestellt. Dieses war Franz Hoffmann, der sodann 1971 die Leitung des Spielmannszuges übernahm. Das Jahr 1969 brachte wohl einen der schwersten Schläge nach dem Zweiten Weltkrieg für den Spielmannszug. Beim Brand der Schützenhalle am 19.November 1969 gingen sämtliche Trophäen, Noten und Spielinstrumente verloren. Doch es ließ sich der Verlust der Spielinstrumente noch verschmerzen, da diese durch eine Feuerversicherung abgedeckt waren. Doch der Verlust sämtlicher Vereinsunterlagen für den Spielmannszug war unersetzlich. Aus diesem Grunde war es auch recht schwierig, eine verläßliche Vereinschronik aufzustellen. Die Verfasser waren nur auf mündliche Aussagen angewiesen. Die älteste Vereinsgeschichte, insbesondere die Gründung, ist heute kaum noch nachvollziehbar.


Das Vereinsleben ab 1970

Im Jahre 1971, wie schon vorher erwähnt, übernahm Franz Hoffmann die Leitung des Spielmannszuges. Im selben Jahr wurde ihm als Stellvertreter Ulrich Hüermann, ein Enkel des wohl längst amtierenden Tambourmajors Kaspar Hüermann, zur Seite gestellt. Der hohe spielerische Stand des Spielmannszuges wurde durch die Leitung von Franz Hoffmann nicht nur gehalten, sondern noch fortentwickelt. Bereits im Oktober 1971 errang man bei einem Wettstreit in der Kölner Sporthalle den zweiten Platz des dort ausgerichteten "Europapokals". Dieser Wettbewerb wurde mit internationaler Beteiligung durchgeführt.

Die 70er Jahre unter Leitung von Franz Hoffmann brachten auch eine Vertiefung der Freundschaft mit den in Werl stationierten englischen Musikkapellen, die häufiger Gast der Schützenfeste waren. Besonders hervorzuheben ist hier die Freundschaft mit dem Bandmaster Daniel Game "The first Band of the Queen`s Regiment".

Auch wurden Verbindungen nach Halle Belgien, der Partnerstadt der Stadt Werl geknüpft. So begleitete der Spielmannszug im September 1972 die Delegation der Stadt Werl zur Einweihung eines Europamonuments nach Belgien. Das Jahr 1979 brachte dann die Mitgliedschaft im Volksmusikerbund NRW, Landesverband Westfalen – Lippe e.V., Kreisverband Soest e.V.


Das Vereinsleben ab 1980

Auch im Jahre 1981 bewies der Spielmannszug seine Leistungsstärke. Beim 1. Musikwettbewerb um den "Großen Preis von Westfalen" in Langenberg wurden zwei Silbermedaillen errungen. In der Jahreshauptversammlung im Januar 1983 trat Franz Hoffmann nach 13jähriger Tätigkeit als Tambourmajor auf eigenen Wunsch sowie aus Altersgründen zurück, um, wie er sagte, der Jugend Platz zu machen. So wurde es notwendig, einen neuen 1. Tambourmajor und Leiter des Spielmannszuges zu wählen. Dieses wurde, so wie es bei den letzten Vorgängern üblich geworden war, der amtierende Stellvertreter Ulrich Hüermann.

In derselben Versammlung wurde ihm Friedel Bettermann als Stellvertreter zur Seite gestellt. Im Juni 1986 konnte der Spielmannszug seine Leistungsstärke wiederum nachhaltig unter Beweis stellen durch die errungenen Silbermedaillen beim 2. Und 3. Musikwettbewerb um den Großen Preis von Westfalen in Langenberg.

Beim 3. Musikwettbewerb traten auch erstmalig in der Geschichte des Spielmannszuges die Jugendlichen alleine auf und errangen ebenfalls zwei Silbermedaillen sowie einen Jugendförderpreis in Höhe von 200,- DM, verbunden mit einem Pokal. Im August 1983 fand das erste "Werl – Tattoo" unter dem Motto "Die Schlacht von Waterloo" statt. Beteiligt daran waren alle Werler Musikvereinigungen, so daß der Spielmannszug auch nicht fehlen durfte. Unter der Regie und Organisation des Bandmasters Norman Rogerson (The Black Watch, Royal Highland Regiment) wurde mit entsprechender Kulisse die Schlacht von Waterloo in Kostümen und Uniformen der Zeit entsprechend im Werler Sportpark vor einigen Tausend Zuschauer musikalisch aufgeführt.



Bei der Jahreshauptversammlung 1988 trat Ulrich Hüermann aus beruflichen Gründen als Vorsitzender und Tambourmajor zurück. So wurde wie in den vergangenen Jahren es so Sitte war, sein Stellvertreter erster Tambourmajor, Friedel Bettermann. Ihm zur Seite gestellt wurde Achim Schriek. Doch schon im Januar 1989 wurde Friedel Bettermann abgelöst. In einer außerordentlichen Generalversammlung wurde beschlossen die Ämter des Vorsitzenden und Tambourmajors zu trennen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ulrich Hüermann gewählt. Das Amt des Tambourmajors wurde von Andreas Sprenger übernommen. Seine unterschiedliche Auffassung den Verein zu führen, stieß bei den anderen Vorstands- und Vereinsmitgliedern oft Unannehmlichkeiten hervor und Andreas Sprenger trat im März 1990, nachdem es beim Schützenfest im Vorjahr mächtig hinter den Kulissen geraucht hatte, als Tambourmajor ab. Sein Stellvertreter Achim Schriek übernahm sein Amt erst kommissarisch bis zum Ende der Saison.


Das Vereinsleben ab 1990

Wie schon erwähnt hatte Achim Schriek dem Spielmannszug als Tambourmajor zur Verfügung gestanden und so war es absehbar, daß er bei der Jahreshauptversammlung 1990 einstimmig bestätigt wurde. Ein Jahr später wurde ihm mit Marion Westervoß eine Frau als Stellvertreter(in) zur Seite gestellt, was besonders bei älteren Spielleuten Diskussion hervorrief. Marion Westervoß gab ihr Amt im Jahre1994 an Andreas Pfitzner ab.

In den folgenden Jahren war ein ständiger Anstieg der Mitgliederzahl zu verzeichnen, so daß der Spielmannszug heute über rund fünfzig Aktive Musikerinnen und Musiker verfügen kann. Ungefähr die Hälfte davon sind Jugendliche.

Den ständig wachsenden Anforderungen im musikalischen Bereich begegnet man durch fachliche Ausbildung im eigenen Verein und in Lehrgängen des Volksmusikerbundes. So werden die jungen Leute von Anfang an in allgemeiner Musiklehre und Instrumentalunterricht auf die Teilnahme am D1 Lehrgang usw. vorbereitet.

Im Jahre 1994 feierte die Werler Bruderschaft ihr 500 jähriges Jubiläum. Dem Vorsitzenden des Spielmannszuges, Ulrich Hüermann, gelang es hierbei die Königswürde zu erringen.

Ein Jahr später wurde Ulrich Hüermann zum stellvertretenden Brudermeister gewählt, weshalb er sein Amt als Vorsitzender des Spielmannszuges zur Verfügung stellte. Sein Nachfolger wurde Martin Wulf der dieses Amt bis 2008 ausübte.

Höhepunkte in diesem Jahrzehnt waren die Teilnahmen an dem Gildenfest in Gerwen (Holland) mit der IV. Kompanie der Werler Schützenbruderschaft und bei dem Bundeskönigsschießen in Troisdorf mit der Schützenbruderschaft Holtum.

Mehrere Jahre Vorbereitung beanspruchte der Ausflug nach New York, verbunden mit einer Teilnahme an der dortigen Steubenparade. Im September 1999 war es dann soweit: 24 von den Aktiven plus 3 Spielleute vom Jugendspielmannszug Westönnen und ein Troß von ca. 35 Begleitern machten sich auf den Weg (Flug) über den großen Teich.

Jetzt kam dem Spielmannszug seine personelle Stärke zugute:

Während die "Rumtreiber" sich jenseits des Atlantiks amüsierten, haben 26 "Daheimgebliebene" einen Auftritt bei der "Straße mit Herz" absolviert. Eine telefonische Liveschaltung machte es möglich, daß die "New Yorker" den "Werlern" ein Ständchen bringen konnten. Verstärkt durch Lautsprecher konnten alle Besucher der Bäckerstraße in das Lied "Auf der Vogelwiese" einstimmen.

Seit einigen Jahren führt die "St. Sebastianus" Schützenbruderschaft jedes Jahr ein Konzert zugunsten des Krankenhausfördervereins durch. Außer dem Spielmannszug konnten hierfür verschiedene Bundeswehrmusikkorps verpflichtet werden. Zu Gast in Werl waren: Heeresmusikkorps 7, Heeresmusikkorps 100, Heeresmusikkorps 2 und bereits zweimal das Marinemusikkorps Nordsee.